Geschichte der Bavaria

Zur Stiftung KStV Bavaria

Vom Studentenverein zur Stiftung

1900 als katholischer Studentenverein in Freiburg gegründet, verbindet die Bavaria mehrere Generationen von Studierenden und Alumni. Seit 2014 führt die Stiftung KStV Bavaria das Anliegen der Studierendenhilfe fort und fördert den wissenschaftlichen Nachwuchs an der Universität Freiburg. 1, 9

Gründung und katholisches Studentenleben

Der Katholische Studentenverein Bavaria zu Freiburg wurde am 29. Januar 1900 aus der Freiburger Brisgovia heraus gegründet. Er gehörte dem Kartellverband katholischer deutscher Studentenvereine (KV) an, dessen Grundsätze Religion, Wissenschaft und Freundschaft das Vereinsleben prägten. 1, 2

Zum Selbstverständnis gehörten der religiöse Austausch, Bildung über das eigene Fach hinaus und Freundschaften, die über das Studium hinausreichen. Neben den Studierenden blieben daher die älteren Mitglieder, traditionell als „Alte Herren“ bezeichnet, Teil der Gemeinschaft. Der KV lehnt das studentische Fechten mit scharfen Waffen ab. 2, 3

Mitglieder in Kirche und Gesellschaft

Zu den Mitgliedern gehörte Josef Frings, der spätere Erzbischof von Köln und Kardinal. Er studierte unter anderem in Freiburg und wurde hier 1916 zum Doktor der Theologie promoviert. Später wirkte er als Teilnehmer des Zweiten Vatikanischen Konzils. 4

Heinrich Weitz schloss sich während seines Freiburger Studiums der Bavaria an. Er wurde Oberbürgermeister von Trier und Duisburg, von 1947 bis 1951 Finanzminister Nordrhein-Westfalens und anschließend Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. 1933 bot er den Nationalsozialisten zunächst Zusammenarbeit an, bevor diese ihn aus dem Trierer Oberbürgermeisteramt drängten. 5

Der spätere päpstliche Diplomat Bruno Wüstenberg trat der Bavaria während seines Freiburger Studienaufenthalts im Sommersemester 1934 bei. 6

Vereinsleben nach 1945

Für die Nachkriegszeit dokumentiert das Kartellverbandsarchiv das Vereinsleben durch Bavarenrundschreiben von 1949 und 1950 sowie weitere Akten, Rundschreiben und Programme bis in die 1960er-Jahre. 7

Klaus Hemmerle und die Freiburger Theologie

Klaus Hemmerle, 1929 in Freiburg geboren, trat der Bavaria während seines Theologiestudiums bei. Nach der Priesterweihe setzte er seine wissenschaftliche Arbeit bei Bernhard Welte fort; 1958 wurde er promoviert, 1967 habilitierte er sich. 8

Hemmerle war erster Direktor der Katholischen Akademie in Freiburg und kehrte 1973 als Professor für Christliche Religionsphilosophie an die Universität zurück. 1975 wurde er Bischof von Aachen. Der nach ihm benannte Wissenschaftspreis der Stiftung erinnert an diese Verbindung zwischen Bavaria und Freiburger Theologie. 8, 9

Aus ihrer katholischen Tradition heraus öffnete sich die Bavaria im Laufe der Zeit auch Studierenden anderer christlicher Konfessionen. Seit den 1990er-Jahren wurden auch Frauen in die Gemeinschaft aufgenommen. Die Freundschaft über Studienzeit und Generationen hinweg blieb dabei ein verbindendes Element.

Vom Verbindungshaus zur Stiftung

Als der studentische Nachwuchs ausblieb, wurde das Verbindungshaus in der Tivolistraße in Freiburg-Herdern verkauft. Der Hausverein brachte den Erlös in die im Juli 2014 gegründete Stiftung KStV Bavaria ein. Ihr Gründungskapital betrug eine Million Euro. 10

Rechtsträger und Treuhänder wurde der Verband der Freunde der Universität Freiburg. Mit Stipendien, Wissenschaftspreisen und der Unterstützung studentischer Projekte erhielt das Vereinsvermögen eine dauerhafte Aufgabe. Der damalige Vorsitzende des Altherrenvereins, Hans-Joseph Scholten, beschrieb diesen Schritt als Fortführung des Leitgedankens der Studierendenhilfe. 9

Förderung seit 2015

2015 wurden die ersten vier Bavaria-Masterstipendien vergeben. Sie unterstützten Studierende der Philosophischen Fakultät beim Abschluss ihrer Masterarbeit mit jeweils 1.800 Euro über sechs Monate. 11 Die Vergabe der Stipendien erfolgt unabhängig vom politischen oder religiösen Hintergrund der Bewerberinnen und Bewerber.

Ebenfalls seit 2015 besteht der Bischof-Hemmerle-Wissenschaftspreis für eine herausragende Dissertation an der Theologischen Fakultät. Die Stiftung stellt die Mittel bereit, die Fakultät wählt die ausgezeichnete Arbeit aus. So verbindet sich die Geschichte der Bavaria mit der Förderung neuer wissenschaftlicher Leistungen. 8, 12

Quellen und Nachweise

Die hochgestellten Ziffern verweisen auf die folgenden Veröffentlichungen.

  1. KStV Markomannia: Verzeichnis der Kartellvereine. ↩
  2. Kartellverband: Grundsätze des Kartellverbandes. ↩
  3. Kartellverband: Ein Verband und seine Geschichte. ↩
  4. Friedhelm Ruf: Frings Josef. NDB-online, 2022. ↩
  5. Andreas Grau: Heinrich Weitz. Konrad-Adenauer-Stiftung. ↩
  6. Michael F. Feldkamp: Bruno Wüstenberg. In: 250 Semester V.k.Th. Burgundia Bonn, 2021, S. 161–172. ↩
  7. Wolfgang Löhr: Findbuch des Bestands KV 2 von 1947 bis 1968. Hochschulkundliche Arbeitshilfen 31, 2020, S. 10 und 15. ↩
  8. Freunde der Universität Freiburg: Porträt von Bischof Klaus Hemmerle. ↩
  9. Universität Freiburg: Eine Million Euro für Studierende der Universität Freiburg. Pressemitteilung vom 28. Juli 2014. ↩
  10. Universität Freiburg: Jahresbericht des Rektors 2013 bis 2014. ↩
  11. Universität Freiburg: Stiftung KStV Bavaria vergibt erstmals Stipendien. Pressemitteilung vom 6. Februar 2015. ↩
  12. Universität Freiburg: Förderpreise der Theologischen Fakultät. ↩

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